© 2016 Gisela Tuchtenhagen und Margot Neubert-Maric

Der Tod in Plattdeutsch und auf Leinwand

January 19, 2017

 

 

Vorführung des Filmes „Utbüxen kann keeneen“ mit Ernst Heinrich Tams in Lunden 

 

Lunden – Dass Ernst Heinrich Tams einmal auf dem roten Teppich an Fotografen vor- beimarschiert, hätte sich der Lundener Tischlermeister vor ein paar Jahren wohl nie gedacht. Den prämierten Film, in dem er mitspielt, führt er nun in seiner Heimatgemein- de vor.

Es ist ein Heimatfilm mit ei- nem Thema, das viele Menschen ausblenden: dem Tod. „Als Tischler auf dem Land steht man automatisch mit einem Bein in der Bestattungsbranche“, sagt Tams. So bekam er irgendwann unverhofft ei- nen Anruf aus Hamburg. Am Apparat Gisela Tuchtenhagen. Zusammen mit Margot Neu- bert-Maric wollte sie den Film mit dem Titel Utbüxen kann keeneen (Weglaufen kann keiner) produzieren. Tuchtenhagen dreht seit den 1970er-Jahren Dokumentarfilme und bekam mehrfach Grimmepreise. Neubert-Maric, ebenfalls seit den 1970ern in der Doku- Branche, ist Vorsitzende der Filmschule Hamburg Berlin.

„Eine der ersten Fragen war, ob ich plattdeutsch spreche“, sagt Tams. Denn neben dem Thematischen spielte das eine wichtige Rolle. Im Film sprechen die Protagonisten durchgängig platt. „Sie sagte, dass sie nach Familienbetrieben recherchiert habe, die aus alten Zeiten berichten könnten. Zuerst habe ich gleich abgelehnt und gesagt, dass ich dafür gar keine Zeit habe. Doch sie blieb hartnäckig.“

 

Von der Dimension des Filmes ahnten Tams und dessen Tochter Eva, die in der jüngsten Generation den Betrieb vertritt, nichts. „Wir dachten, da kommt vielleicht längstens eine Drei- viertelstunde zusammen“, sagt Eva Tams. Doch es wurden 90 Minuten. „Er ist vollständig untertitelt“, beruhigt Tams’ Tochter Eva, Zugezogene, die Plattdeutsch nicht so gut verstehen. Eva Tams arbeitet und organisiert die beiden Filmnachmittage, die am Sonnabend in Lunden und im Februar in Hemme geplant sind. „Ich erzählte über die kleine Kirche dort, und dann sind wir schnell einmal herübergefahren“, sagt Ernst Heinrich Tams. So kam auch der Küster Jürgen Ehlers noch zu einer Filmrolle.

Die beiden erzählen über ihre Erfahrungen mit dem Tod, die sie seit Kindestagen gesammelt haben. – wie auch eine Hebamme und Totenfrau, Bestatter, Totenbitterin von Hallig Hooge, Langeness, aus Tönning, Woosmer und Nortmoor.

„Es geht um die große Blase rundherum“, sagt Tams. Verstorbene oder Hinterbliebene werden nicht gezeigt. „Da hätte ich nicht mitgemacht. Wir haben einmal eine Schauaufbahrung gedreht.“ Vielmehr geht es um die großen Unterschiede von damals und heute. „Die Bestattungskultur hat sich doch sehr stark verändert.“ Dennoch sei es „leichte Kost“, die auch mit Humor versehen ist.

Im Film sind viele Aufnahmen der beiden Dithmarscher Orte zu sehen. 20 Minuten Lunden, 15 Minuten Hemme – immerhin knapp mehr als ein Drittel des gesamten Filmes – schätzen Eva und Ernst Heinrich Tams den Platz, den ihre unmittelbare Heimat in dem Streifen einnimmt. „Das Ländli- che kommt gut durch.“

Die Premiere war bereits im Oktober 2015 beim Filmfest in Hamburg. „Wir haben mit einem Hinterhofkino gerechnet“, sagt Eva Tams. „Auf einmal stehen wir auf dem roten Teppich, und die Stretchlimousinen kommen angefahren“, ergänzt ihr Vater.

Mittlerweile wurde Utbüxen kann keeneen mit dem Dokumentarfilmpreis beim Filmfest Schleswig-Holstein ausgezeichnet. Nun finden Eva und Ernst Heinrich Tams, dass es an der Zeit ist, ihn einmal in Lunden und Hemme zu zeigen.

Die Vorführung in Lunden am Sonnabend, 21. Januar, beginnt um 15 Uhr in der St.-Laurentius-Kirche. Zur gleichen Zeit startet der Film am Sonnabend, 25. Februar, in der Marienkirche in Hemme. Der Eintritt ist jeweils kostenlos. Auch der Film- klub Heide hat den Film im Programm. Er zeigt ihn am Montag, 3. April, im Kino Lichtblick. 

 

 

 

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